Dankschreiben Juni 2005

Hermannstadt, im Juli 2005

Liebe Freunde und Spender,

bitte endschuldigen Sie, dass ich mich sehr lange nicht gemeldet habe. Zwei Begründungen möchte ich Ihnen dafür geben, um damit um Ihr Verständnis zu werben:

In diesem Winter war ich alleine für die Organisation und Verteilung der Winterhilfe zuständig, es ist leider noch keine Nachfolgerin / kein Nachfolger auf die Stelle der / des Diakoniereferentin / Diakoniereferent gefunden worden. Da mein eigentlicher Arbeitsauftrag aber nicht die Diakoniearbeit im Kirchenbezirk Hermannstadt ist, kann ich die damit verbundenen Aufgaben zeitlich nicht immer so schaffen, wie es wünschenswert wäre.

Eine zweite Begründung liegt an der leider immer noch wachsenden Not hier im Land. Zum ersten Mal haben wir in diesem Jahr die Winterhilfe nicht mit einer Ostergabe abgeschlossen, sondern stattdessen auch im Mai noch einmal eine monatliche Summe ausgezahlt und ich wollte einem Brief an Sie erst zum Abschluss der Winterhilfe 2004 / 2005 schreiben.

Ein Grund der wachsenden Not ist, dass die Energiekosten ab April um weitere 35 % angehoben wurden. Des Weiteren wurden im März etliche Steuern erhöht, die zusätzlich für Preissteigerungen sorgten. Früher waren die Begründungen für Preissteigerungen im Energiesektor immer der steigende Valutakurs. Seit letztem Herbst sinkt dieser Kurs, die Preise wurden natürlich nicht wieder gesenkt, dafür wurde uns als Begründung für die Steuererhöhung das Sinken des Valutakurses (Euro und Dollar) angegeben.
Für die Winterhilfe bedeutete dieser sinkende Valutakurs dazu noch, dass wir mehr Euro brauchten, ohne mehr auszahlen zu können. Von knapp über 40.000 Lei / Euro im Oktober steht der Kurs inzwischen unter 36.000 Lei / Euro. Bei einem Bedarf von über 67.000.000 Lei, die wir im Monat brauchten, spielt es dann doch eine nicht geringe Rolle. Aber dank Ihrer großzügigen Unterstützung konnten wir diesen Verlust noch gut auffangen!
Ab 1. Juli stand nun eine weitere Teuerung im Energiesektor an, die bei den Nebenkosten für die Wohnungen mindestens weitere 15% beträgt. Diese Teuerungen lösen natürlich weitere Kettenreaktionen aus, die sich besonders auch auf die lebensnotwendigen Grundprodukte auswirken wird. Es ist damit zu rechnen, dass diese Zeitbombe im Winter explodiert!

Dass das Gesundheitssystem marode ist, auch wenn es in der Theorie wohl von europäischen Experten gelobt wird, weiß man hier inzwischen. Jetzt kam es zu einem besondern Knall: Die Krankenhäuser wurden mehrere Wochen nicht mehr mit Medikamenten, Pflegematerialien und sonstigen Utensilien beliefert, weil sie zu hohe Schulden hatten, zur gleichen Zeit gab es auch keine vergünstigten Medikamente mehr in den Apotheken, weil die Krankenkasse diese nicht gezahlt hatte.
Inzwischen wurde hier wieder eine relative Normalität hergestellt, es wurde weitere Gelder zur Verfügung gestellt, aber die vergünstigten Medikamente werden nach wie vor nicht in dem Maße ausgegeben, wie sie benötigt würden. Seit diesem Frühjahr gibt es nämlich zusätzlich eine finanzielle Grenze, mehr als für 1.000.000 Lei im Monat kann pro Person nichts vergünstigt abgegeben werden. Blutdruckpräparate z. B. für einen Monat übersteigen diese Summe, ein Päckchen mit 30 Tabletten kosten an die 2.000.000 Lei. Die Folge ist, dass viele chronisch Kranke sich ihre benötigten Medikamente nicht mehr leisten können.

Die Rentenangleichung wird, wie nun schon seit geraumer Zeit, weiter betrieben, aber immer noch steht diese Angleichung in keinem Verhältnis zu den steigenden Preisen. Es wird keineswegs an den Preissteigerungen angepasst, sondern lediglich einige Prozente angehoben.

Sie sehen also, dass unser Projekt Winterhilfe nach wie vor wichtig und bitter nötig ist. Wir starteten im Oktober mit 80 Personen und hatten ab März dann 97 Personen auf unserer Liste. Es ist keineswegs abzusehen, wie viele Personen im nächsten Winter noch dazu kommen werden.
Der Schwerpunkt liegt weiterhin bei den evangelischen Rentnerinnen und Rentner, weil sie fast alle ohne Familie überleben müssen. Nachbarn helfen bei vielen Aufgaben, aber die Rechnungen zahlt ein Nachbar ja nicht aus seiner Tasche.
Bei der Unterstützung für die Beschaffung von Medikamenten helfen wir natürlich einem breiteren Kreis, vor allem auch Familien und vielen jüngeren und chronisch Kranken.

Von den Empfängern der Winterhilfe darf ich Ihnen herzliche Grüße ausrichten, sie sagen alle „Vielen Dank und vergelt’s Gott“. Wenn die Unterstützung auch nicht riesig erscheint, so zeigt die Winterhilfe den betroffenen Menschen doch vor allem, dass sie in ihrer Not nicht alleine gelassen werden. Immer noch übersteigt die Winterhilfe bei etlichen Empfängern die Rente, so können Sie sich vorstellen, wie die Versorgung hier aussieht und nachvollziehen, dass es etlichen Empfängern peinlich wäre, wenn wir eine höhere regelmäßige Summe im Monat auszahlen würden.

Am zweiten Dienstag im September, also am 13. 9., werden wir im Helferinnenkreis des Bezirkskonsistorium wieder beraten, wie hoch im kommenden Winter die Winterhilfe sein soll und für Oktober eine Liste der Personen aufstellen, die von uns unterstützt werden müssen. Ich bin aber davon überzeugt, im Laufe des Winters wird sich diese Liste verändern.
Nach meiner heutigen Einschätzung werden wir wohl auch im nächsten Winter monatlich mindestens 2000 € benötigen, um die Winterhilfe auszahlen zu können. Dank Ihrer großen Unterstützung darf ich aber getrost dem nächsten Winter entgegen sehen, das Geld für die ersten Monate liegt bereits hier! Vielen herzlichen Dank!

Darf ich Sie noch einmal daran erinnern, dass wir von der Evangelischen Kirchengemeinde Obertshausen – Hausen einem anderen Konto zugeteilt wurden, die Nummer finden Sie wie immer unten!

In herzlicher Verbundenheit und großer Dankbarkeit grüße ich Sie, auch im Namen der Mitarbeiter des Kirchenbezirkes Hermannstadt und des Dechanten, ganz herzlich und wünsche Ihnen einen gesegneten Sommer!
Ihre
Petra Stöckmann – Kothen, Diakonin
Initiatorin der Winterhilfe im Kirchenbezirk Hermannstadt


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.