Projektbeschreibung 2000

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Winterhilfe im Kirchenbezirk Hermannstadt / Sibiu

Die Beschreibung eines Projektes, Menschen in Not zu
helfen.

 

1. Situationsbeschreibung

Durch die massive Auswanderung der Siebenbürger Sachsen
nach der Wende 89/90 blieben besonders die alten und alleinstehenden Menschen in
den evangelischen Gemeinden zurück. Für diese wurde es immer schwerer, sie
wurden älter, vielfach pflegebedürftig, und waren mehr und mehr auf Hilfe
angewiesen. Um dieser Not entgegen zu wirken, suchte die Kirche Frauen, die noch
gut in der Lage waren, Bedürftige zu betreuen. Daraus entstand ein
Helferinnenkreis, zu dem auch Krankenschwestern und Ärzte zählen, die für ein
Taschengeld die bedürftigen Gemeindeglieder vor Ort in ihren Dörfern, Kleinstädten
und Hermannstadt betreuen.
 

Im September 1999 berichtet uns einer dieser Helferinnen,
dass eine alte Frau in der Stadt ihre Rechnungen für Gas und Strom nicht mehr
bezahlen könne, die Rente reiche nicht für diese Summen. Im September war es
noch warm und wir wussten, dass es im Winter für diese Frau unmöglich werden würde,
ihre Wohnung warm und hell zu bekommen. Außerdem waren alle Beteiligten davon
überzeugt, dass es nicht bei dieser einen Person bleiben würde, die Renten
werden auch bei vielen anderen nicht reichen.

 

2. Das Projekt

Im Diakonieausschuss des Kirchenbezirkes überlegten wir
dann, wie wir helfen könnten. Zu nächst schrieben wir an unsere Freunde und
erbaten Geld, um eine Winterhilfe ins Leben zu rufen. Gott sei es gedankt, dass
viele auf diese Briefe reagierten.

So war es uns im Winter 99 / 00 möglich, alten Menschen,
die sich in besonders schwerer materieller Not befanden, finanziell zu helfen.
Durch sehr großzügige Spenden konnten wir auch in diesem Jahr ab November
diesen Menschen im Winter eine Unterstützung zukommen lassen.

Winter in Rumänien bedeutet nicht nur das sinken der
Temperaturen, sowie Regen und Schnee, er bedeutet auch für viele Rentner in den
Blockwohnungen unbezahlbare, pauschale Betrieskosten, welche die Renten, von zum
Teil nur 500.000 Lei (weniger als 50, — DM) weit übersteigen. Hinzu kommen
noch die ständig steigenden Preise für die elementarsten Dinge, wie Brot,
Medikamente oder Telefon.

Nach der großen Dürre im vergangenen Sommer sind die
Preise im Vergleich zum Vorjahr um ein Vielfaches gestiegen, auch die Kosten für
Gas / Fernwärme, Strom, Telefon und Wasser steigen weiter an. Im Gegensatz dazu
wurden die Renten so gut wie gar nicht angehoben.

 

3. Die Hilfe

Wir vom diakonischen Dienst und der Altenbetreuung des
Kirchenbezirkes versuchen mit Medikamenten und einigen Lebensmitteln, sowie mit
regelmäßigen Hausbesuchen und Hauswirtschafthilfen, die Not zu lindern. Ohne
die Spenden für die Winterhilfe aber, wäre all dies im letzten Winter für die
15 ärmsten unserer Gemeindeglieder nur kosmetische Hilfe geblieben, da man mit
einem Kilo Zucker und einem Liter Öl keine Heizung bezahlen kann.

Neben den regelmäßigen Unterstützungen konnten wir auch
in beiden Wintern etlichen Menschen auf den Dörfern eine einmalige Unterstützung
gewähren, damit sie ihr Holz für den Winter kaufen konnten. Und wir konnten
immer wieder bei akuten Notfällen aushelfen.

Für diesen Winter stehen etwa doppelt so viele Menschen
auf unserer Liste, die wir regelmäßig unterstützen müssen. Für diese
Menschen würde es sonst bedeuten, vom Wärmenetz abgeschnitten zu werden und in
der kalten Wohnung zu versuchen, den Winter zu überleben.

Wie auch im vergangenen Winter geben wir die Spenden wieder
in kleinen „Portionen“ an diese Menschen weiter. Sofern die Mittel reichen,
werden wir die Winterhilfe bis einschließlich Ende März 2001 betreiben und,
wie auch im vergangenen Jahr, mit einer Ostergabe beenden.

 

3. 1. Wem helfen wir

Bei den Menschen, denen wir mit unserer Winterhilfe eine
Unterstützung geben, handelt es sich natürlich nicht nur um evangelische
Gemeindeglieder. Sie sind uns meist näher, weil der Kontakt auch durch die
Pfarrer da ist. Aber da auch die Helferinnen nicht nur evangelische
Gemeindeglieder betreuen, haben wir auf unserer Liste Menschen aus allen
ethnischen Gruppen. Denn wir möchten gerne, dass vielen Menschen in Not
geholfen wird.

 

3. 2. Wie helfen wir

Die Winterhilfe wird immer den jeweiligen Helferinnen übergeben,
die dann das Geld weiterreichen. Sie kennen die Situationen der Menschen am
besten und wissen auch, wie das Geld am besten übergeben wird, bzw. davon die
Rechnungen zu zahlen sind.

 

3. 3. Wie können Sie helfen

Die ganze Aktion läuft über den Diakonieausschuss des
Kirchenbezirkes, so dass uns keine besonderen Verwaltungskosten entstehen. Das
Geld kommt also ganz den Bedürftigen zu gute.

Eine besonders große Hilfe ist auch, dass wir über die
Evangelische Kirchengemeinde Obertshausen ein Konto in Deutschland bekommen
haben, über das wir die Gelder direkt empfangen können. Außerdem können
unsere Spenderinnen und Spender eine Spendenquittung erhalten und haben einen günstigen
Weg, um uns die Spenden zukommen zu lassen. 

 

4. 1. Verantwortlich für die Winterhilfe sind

Dechant Pfarrer Dietrich Galter, Kirchenbezirk Hermannstadt

Diakon Jörg Georgi, Diakoniereferent Kirchenbezirk
Hermannstadt

Diakonin Petra Stöckmann – Kothen, Diakoniebeauftragte
der Landeskirche

 

4. 2. Postanschrift:

Bezirkskonsistorium Hermannstadt

Piata Huet 4

RO – 2400 Sibiu

Tel.: 0040 – 69 – 210533

 

4. 3. Spendenkonto in Deutschland:

Evangelische Kirchengemeinde Obertshausen – Hausen

Volksbank Maingau e.G.

Kontonummer  200
10

BLZ  500 613 15

Stichwort: Winterhilfe Rumänien

Dankschreiben aus dem November 2002

Winterhilfe 2000 / 2001

Hermannstadt im September 2000

Ganz Europa scheint geschockt durch die ständig steigenden
Preise für Benzin, Diesel und Heizöl. In jeder Nachrichtensendung ist das
Thema präsent und es mangelt nicht an Prognosen, wie weit Deutsche, Spanier
oder Franzosen in diesem Winter tiefer in die Tasche greifen müssen.

In Rumänien treiben die steigenden Rohölpreise alle
Preise, einschließlich der Grundnahrungsmittel, in die Höhe. Verschärfend
kommt hinzu, dass wir in diesem Sommer die größte Trockenheit seit 1947
erlitten haben, wodurch die Erträge der Landwirtschaft im Vergleich zum Vorjahr
um 50 % zurück gingen.

Ein kleines Brot kostet jetzt 8000 Lei, ca. 80 Pf, oder
aber 1,5 %  einer Monatsrente. Wenn
man dieses auf deutsche Verhältnisse umrechnet, so würde ein Rentner mit 1500
DM Rente 22,50 DM für ein Brot bezahlen.

Das Hauptproblem, vor dem wir auch in diesem Winter stehen,
ist wiederum die Heizrechnung unserer ärmsten Gemeindeglieder in den
Bockwohnungen in Hermannstadt und den anderen Städten unseres Kirchenbezirkes.
Für eine Zweizimmerwohnung werden Betriebskosten von ca. 1.200.000 Lei
vorausgesagt, welches das doppelte einer Monatsrente von vielen unserer
Gemeindeglieder darstellt.

Nach 10 Jahren Misswirtschaft sind weite Teile der Bevölkerung
verarmt und gerade unter den Rentnern gibt es fast niemanden mehr, der
materielle Reserven hat.

Die seelische Verfassung einiger unserer Gemeindeglieder
ist dementsprechend erschreckend. Wir, die Mitarbeiter im diakonischen Dienst im
Kirchenbezirk Hermannstadt, versuchen sie so gut es geht zu beruhigen und ihnen
zu versichern, dass es Menschen gibt, die ihnen beistehen.

Eine Veränderung der sozialen Lage unserer Rentner ist
kaum zu erwarten. Im November werden die Rumänen zur Wahl gerufen und die
Prognosen sagen einen sicheren Wahlerfolg der Altkommunisten voraus, was, so
denke ich, sehr deutlich die Stimmung im Land wiederspiegelt.

Sie haben uns im letzten Winter sehr geholfen und wir würden
uns freuen, wenn sie uns auf im kommenden beistehen.